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Die 20 größten UX Mythen – was ist wirklich dran?

Margit Bogner 15. Juni 2021

„UX ist nur etwas für Designer.“ „Ein Stockfoto ist besser als kein Foto!“ „Lasst uns doch erst mal mit Dummy-Text arbeiten …“ Das sind nur ein paar der UX-Mythen, mit denen Expert*innen regelmäßig konfrontiert werden. An manchen davon ist mehr dran, an manchen weniger. Wichtig ist, dass man sich mit ihnen auseinandersetzt – um im jeweiligen Fall die richtigen Argumente zu liefern und Entscheidungen zu treffen.

Mythos 1: UX Themen betreffen nur Web-Designer

Stimmt nicht.

User Experience beginnt weder im Web noch endet sie beim Design.

Alles ist UX, von der Funktionalität und Verwendbarkeit, über Informationsarchitektur, Information Scent, User Interface Design, Art des Contents bis zur konkreten Formulierung von Text.

Deshalb ist es wichtig, dass alle an einem Projekt beteiligten Personen ein gewisses Verständnis von UX haben. Während Designer also dafür sorgen, dass eine Website entsprechend umgesetzt wird, müssen Texter*innen klar und verständlich formulieren. Ganzheitlich gelebt, trägt UX so zum bigger picture bei und findet sich in allen Elementen eines Projekts wieder.

 

Mythos 2: User scrollen nicht

Falsch!

Scrollen ist bei den Usern heutzutage gelernt. Der obere Teil (von beispielsweise einer Website) ist der meistgesehene Part und daher entscheidend dafür, wie sich User weiterbewegen. Vor allem bei zusammenhängenden Inhalten bietet Scrolling eine bessere Usability als wenn Inhalte auf verschiedene Seiten aufgeteilt werden. Anhand des oberen Teils entscheiden User also, ob es sich lohnt, weiter zu scrollen – oder eben nicht.

 

Mythos 3: Es darf maximal 5 Navigationspunkte geben

Nein!

User können sich auch in einem Angebot von mehr als 5 Optionen gut zurechtfinden. Die Wiedererkennung spielt dabei eine viel größere Rolle als der reine Abruf aus dem Gedächtnis (recognition vs. recall). Unser Arbeitsgedächtnis ist aber beschränkt und kann sich nicht alles auf einmal merken. Deshalb ist der Informationsgehalt der Begriffe sowie die Reihung der einzelnen Punkte relevant.

 

Mythos 4: Alle Seiten müssen mit 3 Klicks erreichbar sein

Falsch!

Ausschlaggebend ist die Führung der Benutzer*innen. User müssen verständlich durch den Prozess navigiert werden. Gute Informationsarchitektur ist also entscheidend. Die Anzahl der Klicks ist dabei nicht ausschlaggebend. Die richtigen Funktionen und Inhalte an den richtigen Stellen bringen User im besten Fall mit Leichtigkeit ans Ziel.

 

Mythos 5: Bewegtbild muss sein

Kommt drauf an …

Videocontent erfreut sich großer Beliebtheit. Der Einsatz von Video muss jedoch von Projekt zu Projekt beurteilt und entschieden werden, da es wie bei allem Vor- und Nachteile gibt. Videoinhalte ziehen große Aufmerksamkeit auf sich, können aber auch ablenkend wirken, vor allem wenn sie im Hintergrund eingesetzt werden. Denn Nutzer*innen wollen auch eine gewisse Kontrolle darüber behalten, was sie sich anhören beziehungsweise -sehen.

 

Mythos 6: Beim Design geht es darum, das Produkt gut aussehen zu lassen

Jein!

Beim Design geht es nicht nur um Ästhetik. Design meint vielmehr die gesamte inhaltliche und funktionale Gestaltung sowie die daraus entstehende Form, also das damit entstehende Aussehen, eines Gebrauchsgegenstandes. Dieser Gebrauchsgegenstand kann alles sein – von einer Website bis zum Küchengerät.

 

Mythos 7: Das Design muss einzigartig sein

Naja …

Etablierte Design-Prinzipien zu verwenden ist durchaus vorteilhaft, da User diese schon kennen und keine weiteren Erklärungen dafür benötigen, wie sie funktionieren. Designs sollten aber natürlich so gestaltet sein, dass sie zur jeweiligen Marke passen – und sie sollten ansprechend sein. User sollten beim Navigieren nicht groß nachdenken müssen. Bei einem kompletten Re-Design einer bestehenden Lösung – also von Navigation über Inhalt bis zum visuellen Design – muss man (leider) mit einer initialen Ablehnung von Seiten der Nutzer*innen und einer damit einhergehenden Eingewöhnungsphase rechnen.

 

Mythos 8: Designen kann man auch ohne den Inhalt zu kennen

Nein!

Eine Website zu gestalten, ohne vorab inhaltliche Anforderungen definiert zu haben, führt häufig zu einem ästhetisch ansprechenden, aber gleichzeitig unrealistischen Design. Außerdem entsteht der Eindruck, dass Inhalte der Website zweitrangig für die User Experience seien. Wie bereits beschrieben, stimmt das aber nicht. Welche Menge und Art von Inhalt an welcher Stelle relevant ist, ergibt sich aus den User-Zielen und beeinflusst die Gestaltung. Schließlich soll das Design zum Inhalt passen und diesen den Usern bestmöglich präsentieren.

 

Mythos 9: Den richtigen Text können wir auch später ergänzen

Falsch!

Denn dann müssten wir in der Zwischenzeit wieder mit Dummy-Text arbeiten und das wollen wir nicht. Texte sind bereits in der Abstimmungsphase relevant und tragen dazu bei, Kund*innen von einer Idee zu überzeugen. Text muss als wesentlicher Bestandteil in den gesamten Gestaltungsprozess, und damit auch ins UX-Design, mit einbezogen werden. UX-Writing ist dabei eine eigene Disziplin.

 

Mythos 10: Als UX-Expert*innen müssen wir den Design-Entwurf nicht testen

Nein!

Expert*innen können aufgrund ihrer Erfahrung und basierend auf verschiedenen Annahmen und Richtlinien sowie Best Practice-Beispielen ein entsprechendes Produkt liefern, einen User-Test ersetzt das jedoch keinesfalls. Denn ein gutes Endprodukt versteht Probleme und Anforderungen sowie den Kontext verschiedener User-Typen. Und das kann nicht ohne Kontakt zu den Nutzer*innen passieren.

Mythos 11: Barrierefreie Websites sind unschön

Falsch!

WCAG (Web Content Accessibility Guidlines) wirken sich kaum bis gar nicht auf die optische Gestaltung eines Projekts aus. Barrierefreie Websites sind außerdem vorteilhaft für User und verschaffen den Betreiber*innen ein größeres Publikum sowie bessere SEO- und Usability-Werte. Jedoch sollte man das Thema Accessibility von Anfang an mitdenken. Denn eine spätere Überarbeitung kann aufwendig (und teuer) werden.

 

Mythos 12: Mehr Features und Optionen helfen den Nutzer*innen

Kommt drauf an …

Wer die Wahl hat, hat – in den allermeisten Fällen – die Qual. Denn auch wenn eine große Auswahl erst ansprechend scheint, so wird es mit mehr Möglichkeiten auch immer schwerer, die verschiedenen Optionen zu verstehen und sich zu entscheiden. User wollen die beste Wahl mit möglichst wenig Aufwand treffen. Deshalb sollte das Angebot überschaubar und vor allem auch priorisiert sein.

 

Mythos 13: Mobile first!

Jein!

Gemäß dem Omnichannel-Ansatz sollen Nutzer*innen auf all ihren Endgeräten eine gute Erfahrung mit dem jeweiligen Produkt machen. Es gilt jedoch vom Mobile First-Ansatz zu lernen. Das bedeutet, die vorhandenen Inhalte und Funktionen auf die entscheidenden zu reduzieren und nach ihrer Wichtigkeit zu ordnen. Auf den mobilen Seiten sollten aber jedenfalls immer die gleichen Inhalte gezeigt werden wie beispielsweise auf der Desktop-Version.

 

Mythos 14: Die Startseite ist die wichtigste Seite

Naja …

Es sollte nicht unverhältnismäßig viel Zeit in das Design einer Startseite fließen. Andere (Unter-)Seiten sind oft wichtiger für die Tasks und Ziele der User. Die Startseite sollte jedenfalls auf den ersten Blick klar machen, worum es geht. Und den Usern dann eine gute Navigation bieten, damit sie finden wonach sie suchen.

 

Mythos 15: Wir brauchen Personas

Kommt drauf an …

Personas können hilfreich sein, um sich User-Gruppen besser einzuprägen. Sie sollten jedoch auf Nutzer*innen-Forschung basieren, um im Zuge eines Projekts repräsentativ für die tatsächlichen Benutzer*innen des entstehenden Endprodukts zu sein. Im Prozess prägen diese Personas dann beispielsweise Design-Entscheidungen, da sie auf einem qualitativen Verständnis der Nutzer*innen beruhen und daher besonders einprägsam sind.

 

Mythos 16: Websites brauchen einen regelmäßigen Relaunch

Jein! 

Neu und anders heißt nicht unbedingt immer besser. Die regelmäßige Weiterentwicklung und Überarbeitung basierend auf neuen Anforderungen oder Erkenntnissen ist aber durchaus sinnvoll. Das sollte jedoch bedacht passieren, da User Komplett-Überarbeitungen eher ablehnen. 

 

Mythos 17: Icons erhöhen die Usability

Nein!

Denn es gibt nur wenige Symbole, die eine einheitliche Bedeutung haben und standardmäßig verwendet werden. Ob Nutzer*innen ein Icon kennen, hängt davon ab, welche früheren Erfahrungen sie gemacht haben. Das Wissen dafür kann und sollte man jedoch nicht voraussetzen. Außerdem sind Symbole und Icons alleine oft nicht aussagekräftig und verlangen erst recht nach Zusatzinfos, um deren Bedeutung zu kommunizieren.

 

Mythos 18: Stock-Fotos verbessern die User Experience

Nein!

Aus Studien und speziellen Tests weiß man, dass inhaltsarme Stockfotos oder andere grafische, dekorative Elemente selten einen Mehrwert für die Nutzer*innen einer Website oder einer App darstellen. Wahrgenommen werden lediglich Bilder, die relevante Informationen zeigen, zum Beispiel echte Kontaktpersonen eines Unternehmens oder ein Produkt.

 

Mythos 19: Grafik-intensive Elemente erhöhen die Sichtbarkeit von Content

Nein!

Nicht jede Info muss oder soll grafisch aufbereitet werden. Im Gegenteil. Werden wichtige Inhalte grafikintensiv gestaltet, macht das diese oft weniger sichtbar. Denn User blenden solche Inhalte häufig aus (banner blindness). User wollen Text und Links, die sie zu den gewünschten Informationen bringen. Farbenfrohe Seitenelemente werden hingegen oft als Werbung identifiziert und ignoriert.

 

Mythos 20: Weißraum ist verschwendeter Platz

Nein!

Weißraum ist wichtig. Denn er hilft zu erkennen, welche Inhalte zusammengehören und welche nicht. Weißraum unterstützt außerdem beim Scannen von Text und sorgt für eine gute Lesbarkeit. Und er ist wichtig für ausreichend Touch-Fläche. Grundsätzlich ist und bleibt ein Gleichgewicht zwischen einfachem Design und Komplexität das A und O.

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